Digitalisierung, die Leben retten kann

Auf den Normalstationen des Klinikum Oldenburgs gibt es bereits die elektronische Patientenakte, in der die gesamte Behandlung des Patienten hinterlegt ist. In den kritischen Versorgungseinheiten wie den Intensivstationen, der Anästhesie und dem OP wurde aber bisher noch vieles handschriftlich auf Papier dokumentiert. Das ändert sich jetzt. Ein digitales Patientendatenmanagementsystem (PDMS) wird in diesen Bereichen implementiert. Seit Mitte Oktober nutzt die erste Intensivstation des Klinikums das neue System.

Täglich messen die Pflegekräfte beim Patienten auf der Intensivstation Vitalparameter, wie Körpertemperatur, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Herzfrequenz. Bisher wurden die Messwerte handschriftlich in einer sogenannten Fieberkurve dokumentiert. Dabei werden die Behandlung der Patienten und die Anforderungen an die Dokumentation immer komplexer. Auf den Intensivstationen und im OP zählt jede Sekunde, da kann eine schnelle Übersicht über alle relevanten Patientendaten lebensrettend sein. Den Wunsch, ein Patientendatenmanagementsystem auf den Intensivstationen, in der Anästhesie und im OP des Klinikums einzuführen, gibt es daher schon lange.

Auf den PC-Arbeitsplätzen, die seit letztem Monat an jedem Bettplatz auf der ersten Intensivstation des Klinikums installiert sind, dokumentiert das therapeutische Team alle relevanten Informationen zum Patienten. Dazu gehören unter anderem die Dokumentation des Krankheits- und Therapieverlaufes, der Medikamentengaben und der pflegerischen Maßnahmen, aber auch abrechnungsrelevante Informationen. Die Vitalparameter und die Daten der medizinischen Geräte laufen vollautomatisch in das PDMS. „Alle Daten stehen danach sofort per Knopfdruck allen an der Versorgung beteiligten Mitarbeitenden zur Verfügung“, erklärt Marc Seifert, Sachgebietsleiter Anwendungs- und Anwenderbetreuung der IT im Klinikum Oldenburg.

Das optimiert die Arbeits- und Behandlungsabläufe, die Patientensicherheit und hilft Standards einzuhalten. Einige Prozesse können im Klinikum Oldenburg nun automatisiert werden. Beispielsweise musste zuvor jede Flüssigkeitszufuhr händisch eingetragen werden, das geschieht nun automatisch. „Weitere Vorteile sind die Datenauswertung und die damit verbundene Darstellung von Warnfeldern sowie die Verknüpfung mit dem Labor. Das kann vor allem dem Pflegefachpersonal die Arbeit erleichtern“, sagt Henryk Arlinghaus, stellvertretende Stationsleitung der Intensivstation 113.

„Mit der elektronischen Patientenakte und dem PDMS, sowohl für den OP als auch Intensivbereich, wird das Klinikum Oldenburg dann eines der wenigen Krankenhäuser sein, das über eine lückenlose Digitalisierung der patientenbezogenen Daten und Prozesse verfügt“, sagt Kim Körber, Leitung Projektmanagement und Vorstandsreferentin des Klinikums. Ende des Monats erfolgt die Umsetzung auf den nächsten Stationen. Die Integration in allen versorgungskritischen Bereichen soll Ende 2024 abgeschlossen sein.

Das Patientendatenmanagementsystem ist Teil eines großen Gesamtprojektes zur Digitalisierung von Prozessen und Abläufen im Krankenhaus. Dazu gehören noch unter anderem ein digitaler Patientenservice, der OP-Roboter (bereits im Einsatz), Laborautomatisierung sowie ein geschlossener patientenindividueller Medikamentenkreislauf.

Die Projekte werden im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) vom Bund gefördert, dem Klinikum stehen dafür knapp 10 Millionen Euro zur Verfügung. In einem bundesweiten Ranking liegt das Klinikum bei der Umsetzungsgeschwindigkeit der geplanten Maßnahmen unter den besten 13 Krankenhäusern. Rainer Schoppik, Vorstand des Klinikums Oldenburg, sagte: „Mit den Mitteln aus dem KHZG hat das Klinikum die Möglichkeit, die Modernisierungsgeschwindigkeit deutlich zu erhöhen. Wir haben dabei Projekte in der Realisierung, die unmittelbar dem Patienten zugutekommen und die dazu beitragen, den hohen medizinischen Anspruch des Klinikums durch ebenso durchdachte digitale Prozesse zu untermauern. Das Klinikum Oldenburg kommt der digitalen Zukunft damit immer näher.“

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